Info Wohnungslosigkeit

Viele Menschen, die unsere Einrichtungen aufsuchen, haben ein „normales“ und bürgerliches Leben geführt. Oft wird die Frage gestellt, wie kommt es denn zum Wohnungsverlust? Die Gründe für den Verlust der Wohnung sind sehr vielfältig.

Die „klassische Wohnungslosenbiografie“ gibt es nicht. Wohnungslosigkeit kann im Prinzip jede/-n treffen. Die Gründe für den Verlust der Wohnung treten in der Regel nicht isoliert auf. In der Regel treffen mehrere Faktoren zusammen. Beispiele sind: der Verlust der Arbeit, Überschuldung, persönliche Schicksalsschläge, oft chronische körperliche oder psychische Erkrankungen, Suchtprobleme oder Haftstrafen. Oftmals wird die Integration durch fehlende schulische oder berufliche Qualifikationen und/oder einen Migrationshintergrund erschwert.

Der Wegfall von familiären und soziale Beziehungen ist nicht selten Folge von Scheidung oder Trennung. Familie als soziales Sicherungsnetz verliert an Bedeutung oder ist nicht mehr vorhanden.

Soziale Grundrechte werden von vielen Betroffenen oftmals nicht realisiert. Die sozial– und gesundheitspolitischen Reformen der letzten Jahre bringen für Wohnungslose zusätzliche Lasten. Die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt haben sich für Wohnungslose nicht verbessert, sondern sie verschlechtern sich aktuell weiter. Wohnung wandelt sich immer stärker vom Sozial– zum Wirtschaftsgut. Für arme Menschen erschwert sich der Zugang zu zahlbaren und zumutbaren Wohnraum fortlaufend. Selbst der Gang zum Arzt ist durch Zuzahlungen seit einigen Jahre zur noch höheren Hürde geworden.

Wohnungslosigkeit trifft Männer und Frauen, jüngere und ältere Menschen. Rund 25 % der Betroffenen sind Frauen, etwa ebenso viele sind unter 30-jährig. Ohne qualifizierte Hilfe ist ein weiteres Abgleiten auf die Straße vorprogrammiert.

Nach den Schätzungen der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe sind in Deutschland etwa 248.000 Menschen wohnungslos (2010). Die Zahl der von Wohnungslosigkeit Bedrohten beziffert die BAG-W mit bis zu 106.000 Personen. Auf der Straße leben ca. 22.000 Menschen. In Baden-Württemberg werden nach Erhebungen der Liga der freien Wohnfahrtspflege täglich ca. 10.000 Menschen über die Wohnungslosenhilfe erreicht. Im Landkreis Konstanz erreichen wir mit unseren Angeboten durchschnittlich täglich 220 Menschen.

Damit wohnungslose Menschen Chancen erhalten und soziale Teilhabe ermöglicht wird, braucht es neben gesellschaftlicher Toleranz menschliche Zuwendung, Zeit und fachlich qualifizierte Hilfe. Lebensperspektiven drücken sich oft in Hoffnung und neuer Tatkraft aus.

 

Quellen:

BAG-Wohnungslosenhilfe, Liga der freien Wohlfahrtspflege BaWü

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